Igel gefunden, was tun ?
Der Igel steht unter
Naturschutz und darf nicht aus der Natur entnommen und gefangen gehalten werden. Nach §
20 des Bundesnaturschutzgesetztes ist es jedoch erlaubt, verletzte oder kranke Tiere
aufzunehmen und gesund zu pflegen, um sie unverzüglich wieder auszuwildern, wenn es der
Zustand der Tiere wieder erlaubt.
Welche Tier dürfen aufgenommen werden?
1. Verletzte Igel
Sichtbare Verletzungen an Beinen, Kopf oder Bauch, auch Blutspuren oder Verkrustungen
können im Zusammenhang mit dem Fundort (zB. Straßenrand) auf Verletzungen hindeuten.
Tiere, die vermutlich tagelang in Gruben, Lichtschächten o.ä.. ohne Wasser und Futter
gefangen waren, brauchen ebenfalls Hilfe.
2. Kranke Igel
Kranke Igel zeigen gewöhnlich abnorme Verhaltensweisen. Sie irren am Tag umher und suchen
tagsüber Futter. Sie können häufig nicht richtig laufen oder zeigen Haar- und
Stachelausfall. Auf kranken Tieren sitzen in der warmen Jahreszeit häufig
Schmeißfliegen, die ihre Eier ablegen. Kranke Igel sind apathisch, rollen sich kaum ein,
sind oft mager (Einbuchtung hinter dem Kopf, herausstehende Hüftknochen). Ihre Augen
stehen nicht halbkugelig vor, sie sind eingefallen, schlitzförmig.
Ausnahmen bilden aufgestörte Igel. Wenn Laub- oder Reisighaufen entfernt, Holzstapel
abgebaut, in Garten und Parks gearbeitet, Baumaßnahmen begonnen werden oder Hunde
herumstöbern, können Igelnester zerstört sein. Dann sucht auch ein gesundes Tier
tagsüber einen neuen Unterschlupf. Manchmal wechseln säugende Igelweibchen tagsüber
zwischen Aufzuchtnest und einem weiteren Tagesschlafplatz.
3. Igel, die nach Wintereinbruch, d.h. bei Dauerfrost und/oder Schnee,
herumlaufen
Auch solche Igel findet man vornehmlich am Tag. Es kann sich um kranke oder schwache
Alttiere handeln, öfter aber sind es Jungtiere, die spät geboren, evtl. auch krank sind
und/oder sich wegen des geringen Nahrungsangebots im Herbst kein für den Winterschlaf
ausreichendes Fettpolster anfressen konnten.
Um solchen Tieren sachgerecht zu helfen, genügt Tierliebe allein nicht! Daher die
dringende Bitte: Igelfinder mögen sich unbedingt umgehend mit einem Tierarzt und/oder
einer Igelstation oder Igelberatungsstelle in Verbindung setzen. Dort wird der Igel nicht
nur medizinisch behandelt, sondern auch fachkundiger Rat erteilt, ohne den verwaiste
Igelsäuglinge, sowie viele kranke und verletzte Igel zu einem qualvollen Tod verurteilt
sind.
4. Verwaiste Igelsäuglinge
Igeljunge, die sich tagsüber außerhalb ihres Nestes befinden, noch geschlossene Augen
und Ohren haben und sich womöglich kühl anfühlen, sind mutterlos. Im Zweifelsfall Nest
und Umgebung einige Stunden lang beobachten! Umgehend in eine Igelstation bringen, da sie
besonderer Hilfe bedürfen.
Was tun nach einem Igelfund?
1. Funddatum, -uhrzeit, -gewicht und genaue Fundstelle notieren.
Damit beginnt der Pflegebericht, in den weiterhin Gewichtszunahme, Tierarztbesuche,
verabreichte Medikamente usw. eingetragen werden.
Ob ein im Spätherbst herumirrender Igel aufgenommen und gepflegt werden muß, hängt
nicht allein vom Gewicht ab.
Für die Aufnahme spricht:
Körpergewicht im Oktober unter 300 Gramm
Körpergewicht im November unter 400 Gramm
Körpergewicht im Dezember unter 500 Gramm
2. Igel auf Verletzungen untersuchen.
Dazu muss man auch Kopf, Bauchseite und Beine inspizieren.
3. Unterkühlte Igel wärmen.
Eine Unterkühlung ist vorhanden, wenn sich das Tier an der Bauchseite deutlich kälter
als die eigene Hand anfühlt. Eine mit gut handwarmem Wasser gefüllte Gummiwärmeflasche
umwickelt man mit einem Frotteehandtuch (ohne Aufhänger, ohne Löcher oder
heraushängende Fäden - Verletzungsgefahr!) und legt sie in einen passenden, hochwandigen
Karton. Darauf setzt man den Igel und deckt ihn mit einem weiteren Handtuch zu.
4. Fliegeneier und/oder -maden, Flöhe, Zecken entfernen.
In der warmen Jahreszeit findet man Fliegeneier und -maden in Wunden, aber auch in den
Körperöffnungen (Ohren, Mund, After etc.) unverletzter, jedoch kranker und schwacher
Tiere. Diese müssen unverzüglich entfernt werden. Fliegeneier sind weißliche, etwa 1,5
mm lange aneinanderklebende Stäbchen, Fliegenmaden kleine weißliche Würmchen. Man
sammle sie sehr sorgfältig mit der Pinzette ab. Igelflöhe lassen sich am besten mit
einem speziellen Spray das Sie in unserer Praxis erhalten entfernen. Zecken nicht mit Öl,
Nagellack oder Klebstoff behandeln! Man fasst sie mit einer Pinzette möglichst dicht an
der Haut des Igels und zieht sie ruckartig heraus. Die Tiere sollten nicht gebadet werden,
denn diese Prozedur stresst sie zusätzlich.
5. Geschlecht der Igels bestimmen.
Das ist vor allem bei Alttieren in den Sommermonaten wichtig, da es sich um ein säugendes
Muttertier handeln kann. Zur Geschlechtsbestimmung den Igel sanft über den Rücken
streicheln bis er sich ausrollt, dann mit der flachen Hand langsam in Seitenlage bringen,
damit die Bauchseite sichtbar wird. Männchen: Hautiger Knopf (Penisöffnung) in der Mitte
der hinteren Körperhälfte. Weibchen: Scheide unmittelbar vor dem After.
In jedem Fall und so bald wie möglich unsere Praxis und/oder eine
Igelstation aufsuchen (Adressen siehe unten).
Verletzungen zu versorgen ist Sache des Tierarztes; wir helfen (wie auch die Igelstation)
bei der Entfernung von Außen- und Innenparasiten. Außerdem können wir bei den
verschiedenen Erkrankungen oder Verletzung eine sachgerechte Therapie einleiten und so dem
Igel helfen. Ein kranker oder verletzter Igel ist dringend auf fachmännische Hilfe
angewiesen - Unterkunft und Nahrung allein helfen ihm nicht!
Füttern - Erstversorgung:
Hunde- oder Katzendosenfutter oder Rinderhack (kurz anbraten) oder Rührei (ohne Gewürze,
mit der Gabel zerkleinern). Zum Trinken ein Schüsselchen Wasser (niemals Milch)
hinstellen.
Schwachen Tieren flößt man mittels einer Plastik-Einwegspritze (natürlich ohne Nadel!)
oder Pipette lauwarmen, ungesüßten Fenchel- oder Kamillentee ein. Frisst der Igel in der
Nacht nach der Aufnahme nicht von selbst, ist unverzüglich unsere Praxis oder eine
Igelstation zu benachrichtigen, da er dann meist Flüssigkeit per Injektion oder
"Zwangsfütterung" benötigt.
Kot für Untersuchung sammeln.
Kotuntersuchungen sind bei Igeln ungemein wichtig, denn sie geben Aufschluss über die
Menge und Art des Befalls mit Darmparasiten und über bakterielle Infektionen.
Kotsammelgefäße können in unserer Praxis kostenlos abgeholt werden. Wir werden den Kot
dann auf Parasiten hin untersuchen.
Gesunde Igel sofort wieder freilassen!
Haben wir oder eine Igelstation erkannt, dass das aufgenommene Tier keiner menschlichen
Hilfe mehr bedarf, muss der Igel umgehend an seinen Fundort bzw. in dessen unmittelbare
Nähe zurückgebracht werden.
Ernährung der Igel
Igel sind Insektenfresser und deshalb als Schädlingsvertilger im Garten gern gesehen.
Doch in der Gefangenschaft soll man sie nicht mit Schnecken, Regenwürmern etc. ernähren,
weil diese Überträger von Darmparasiten sind. Milch bewirkt wegen ihres
Milchzuckergehaltes Durchfall, der für den Igel tödlich enden kann. Futter und Wasser
reicht man in kippsicheren, flachen Glas- oder Porzellannäpfen. Gefüttert wird in der
Regel nur einmal täglich, und zwar abends. Läuft jedoch ein offensichtlich hungriger
Igel auch tagsüber unruhig im Gehege herum, sollte man ihm selbstverständlich Nahrung
anbieten. Das gleiche gilt für geschwächte Tiere, die die notwendige Futtermenge oft nur
in mehreren kleinen Portionen einnehmen. Futterreste müssen weggeworfen und die Näpfe
täglich (bzw. nach jeder Mahlzeit) heiß gespült werden.
Die erforderliche Nahrungsmenge ist von Igel zu Igel verschieden. Sie hängt vom
Körpergewicht und vom Gesundheitszustand ab. Ein mittelgroßer Igel frisst etwa eine
Menge, die einen 150-g-Joghurtbecher füllen würde. Maßstab für die richtige
Futtermenge bildet die Gewichtszunahme. Anfangs wird der Igel täglich, später nur noch
wöchentlich gewogen. Man legt ihn dazu auf dem Rücken in die Waagschale und pustet ihn
ein bisschen an, damit er ruhig hält. Wenn ein abgemagertes Tier Nachholbedarf hat, kann
es täglich 10 bis 20 g zunehmen, später sollten es 7 bis 10 g pro Tag sein.
"Grundnahrungsmittel" für Igelfutter:
Katzen- oder Hundedosenfutter,
Eier (hartgekocht oder als Rührei),
Geflügelfleisch (gekocht) und
Rinderhackfleisch (roh nur ganz frisch, besser kurz anbraten).
Als darunter zu mischende "Ballaststoffe"(zur guten Verdauung unerlässlich)
eignen sich: Weizenkleie, Futterhaferflocken oder Igeltrockenfutter
Etwa zweimal wöchentlich gibt man eine kleine Messerspitze vitaminisiertes Mineralpulver
ins Futter. Nur Igel mit "Nachholbedarf" sollten zusätzliche Vitamingaben
erhalten. Die Dosierung sollte mit uns oder einer Igelstation abgesprochen werden. Ein
Zuviel - vor allem an fettlöslichen Vitaminen - kann mehr schaden als nützen!
Die verschiedenen Grundnahrungsmittel können natürlich auch gemischt angeboten werden,
z.B. halb Katzendosenfutter, halb angebratenes Rinderhack, oder halb Rührei, halb
Rinderhack. Zum Anbraten empfiehlt sich Maiskeimöl, da es für den Igel günstige
Komponenten enthält. Pro Portion gibt man entweder einen Esslöffel Weizenkleie oder zwei
Esslöffel Futterhaferflocken bzw. Igeltrockenfutter zum Fleisch, Ei oder Dosenfutter.
Evtl. feuchtet man die Mischung mit etwas Wasser an.
Alle Speisen bei Raumtemperatur anbieten, nicht herdwarm oder kühlschrankkalt. Füttern
Sie keine Speisereste, nichts Süßes, nichts Gewürztes!
Obst und Gemüse gehören ebenfalls nicht auf den Speisezettel des Igels.
Igel dürfen niemals einseitig ernährt werden!
Deshalb ist eine ausschließliche Fütterung z.B. mit Katzendosenfutter abzulehnen. Wird
dennoch einige Tage hintereinander Dosenfutter gegeben, sollten wenigstens die Sorten
gewechselt und das Futter mit einem Teelöffel Maiskeimöl angereichert werden. Das von
verschiedenen Firmen im Handel angebotene "Igeltrockenfutter" ist nur als
Beimischung brauchbar, keineswegs als Alleinfutter!
Zwangsfütterung:
Sehr kranke und schwache Igel, die selbständig keine Nahrung aufnehmen, müssen mit der
Einwegspritze ernährt werden. Dazu nimmt man den auf dem Rücken liegenden Igel in die
linke Hand und füttert ihn, damit er sich nicht verschluckt, in leicht sitzender
Stellung. Als Nahrung eignet sich Hipp-Fleischzubereitung püriert (Banderolenaufdruck: ab
4. Monat) oder (bei Zwangsfütterung über mehrere Tage) Hill's Prescription Diet
"CANINE a/d FELINE" aus unserer Praxis, die man mit etwas Fenchel- oder
Kamillentee verdünnt. Übergangsweise kann man auch "Whiskas Milk Plus", eine
laktosearme, gebrauchsfertige Katzenmilch füttern. Man gibt vier- bis fünfmal täglich
je 10 bis 30 ml seitlich ins Mäulchen. Zusätzlich sollte immer ein Teller mit normalem
Futter im Gehege stehen, damit der Igel Gelegenheit hat, so bald wie möglich selbständig
zu fressen.
Ein Igel, bei dem Zwangsfütterung nötig ist, sollte selbstverständlich bei uns oder
einer Igelstation vorgestellt werden!
Winterschlaf
Grundsätzlich ist anzustreben, gesund gepflegte Igel bzw. aufgezogene Igeljunge noch im
Herbst auszuwildern.
Erreicht ein in menschliche Pflege genommener Igel ein für den Winterschlaf ausreichendes
Gewicht (600 bis 700g) jedoch erst sehr kurz vor Wintereinbruch oder gar danach, muss man
bis zum Frühjahr warten, ehe man ihn in die Freiheit entlässt.
Doch sollte man einem gesunden Tier auch bei häuslicher Überwinterung Gelegenheit zum
Winterschlaf geben. Zu diesem Zweck stellt man sein Gehege in ein kaltes Zimmer, auf den
Balkon, auf die Terrasse, in ein Gartenhäuschen, oder man baut ein Freigehege im Garten.
Kellerräume sind meist ungeeignet, weil zu warm. Die Umgebungstemperatur sollte
möglichst der Außentemperatur entsprechen. Bei Raumtemperaturen von mehr als 6 Grad
fällt der Igel lediglich in einen kräftezehrenden "Dämmerschlaf", in dem er
weder fressen noch winterschlafen kann. Daher ist auch direkte Sonneneinstrahlung
(Südseite) zu vermeiden. Das bisher benützte Schlafhäuschen setzt man in einen etwas
größeren Karton, besser noch in ein Holz- oder Spanplattenhäuschen (etwa 40 cm
Kantenlänge) und isoliert zwischen beiden Häusern sowie Ober- und Unterseite mit
reichlich zusammengeknülltem Zeitungspapier. Selbstverständlich schneidet oder sägt man
auch in das Überhaus ein deckungsgleiches Schlupfloch.
Praxistipp:
Wenn dem Igel als Winterquartier der ganze Balkon zur Verfügung steht, muss er lückenlos
ummauert sein. Selbst durch schmale Spalten oder Öffnungen kann er hinunterstürzen!
Ebenso ist darauf zu achten, dass keine Stühle oder Tische dicht an der Brüstung stehen
(Igel können sehr gut klettern!) Vorsicht auch mit Getränkekisten, Wassereimern,
Tüten/Säcken etc. Igel können hineinkriechen oder -fallen.
Nachdem man den Igel in sein Winterquartier gebracht hat, füttert man ihn solange normal
weiter, bis er das Futter nicht mehr anrührt. Bis dahin können einige Tage, aber auch
Wochen vergehen. Auslauf und Häuschen reinigt man nach wie vor.
Hat sich der Igel dann offensichtlich zum Winterschlaf zurückgezogen, klebt man mit zwei
Stückchen Klebeband ein Blatt Toilettenpapier vor das Schlupfloch. So kann man - ohne ins
Schlafhaus zu fassen - auf einen Blick erkennen, ob das Tier wieder aufgewacht ist und
nachts sein Häuschen verlassen hat oder ob es weiterschläft. Für alle Fälle und als
"Notration" stellt man in das Gehege ein Schälchen mit Igel- oder
Katzentrockenfutter, dazu frisches Wasser.
Auch schlafende Igel muss man täglich kontrollieren!
Eine Unterbrechung des Winterschlafs bei steigenden Temperaturen kommt hin und wieder vor.
Dann füttert man die normale, eiweißreiche Nahrung.
Aufwachphase und Auswilderung
Wenn der Igel aus dem Winterschlaf aufwacht (meist Ende März bis Mitte April) hat er
stark an Gewicht verloren, würde um diese Jahreszeit in der Natur jedoch nur wenig Futter
finden. Zudem hat er "draußen" kein Winterschlafnest, in das er sich bei
nochmaligen Frosteinbrüchen zurückziehen kann. Er muss daher aufgefüttert werden, bis
er soviel wiegt wie vor dem Winterschlaf. Das dauert etwa zwei bis drei Wochen
Bei weiteren Fragen bezüglich der Igel wenden Sie sich auch an folgende
Adressen:
| Komitee für
Igelschutz e.V. Hamburg Igelherberge Sigrun und Heiko Groncy Flaßheide 42 22525 Hamburg fon/fax 040 540 48 07 |
Pro-igel Hotline 08382 30 21 60 23 60 24 Faxabruf 08382 30 22 |
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